Die Steilküste Stevns Klint im südlichen Seeland
Bei Stevns Klint handelt es sich um ein etwa 15 Kilometer langes Kliff mit einer Höhe von bis zu 41 Meter das am besten von der Alten Kirche von Højerup aus gesehen werden kann, wo man auch den Zugang zum Strand hat. Das weiß leuchtende Kalksteinkliff wurde 2014 zum Weltnaturerbe der Unesco erklärt und geht bis zur Zeit der letzten Dinosaurier zurück, entstand daher bereits vor rund 65 Millionen Jahren, als dort noch ein tropisches Klima existierte.
Aus der Nähe kann man bei Stevns Klint, zumindest mit einem atwas geübten Auge, auch die verschiedenen Entstehungsepochen dieser Kreide-/Kalkküste entdecken, die aus Ablagerungen besteht die sich vom Paläozoikum bis zur Epoche der Schreibkreide erstrecken und daher sehr reich an Fossilien jeder Art sind. Bei Stevns Klint kann man zudem einen hohen Anteil an Iridium nachweisen, was auf einen starken Meteoriteneinschlag jener Zeit hinweist.

Als vor rund 14.000 Jahren die bisher letzte Eiszeit auf der Erde abnahm, siedelten sich bei Stevns Flint, bis zum südschwedischen Schonen, die ersten Bewohner an, was vor allem mit dem Vorkommen von Feuerstein zusammenhing, der zu jener Zeit für das Überleben der Menschen notwendig war. Gleichzeitig handelte es sich bei Feuerstein um das erste erfolgreiche Exportprodukt der Gegend, da der Bedarf an Feuerstein in Schweden und vor allem in Norwegen mit der wachsenden Besiedlung während der Steinzeit ständig wuchs, jedoch, außerhalb Schonens nicht vorkam. Im 17. Jahrhundert wurde Feuerstein dann von militärischer Bedeutung, als die Feuersteingewehre entwickelt wurden, wobei der Feuerstein damals vor allem aus der Umgebung von Stevns Klint kam.
Auch wenn Bischof Absalon Hvide bereits im 12. Jahrhundert Kalkstein bei Stevns Klint für seine Burg in Kopenhagen abbauen ließ, so sollte Kalkstein dort erst im Mittelalter auf nahezu industrielle Weise abgebaut werden, als Kalkstein zum wichtigsten Baumaterial in Dänemark wurde. Noch heute kann man an der Küste bei Rødvig eine der mittlerweile stillgelegten Kalkgruben entdecken, insbesondere den Boesdal-Kalksteinbruch (Boesdal Kalkbru), heute eine berühmte, touristische Attraktion.
Unter dem Kliff von Stevns Klint findet man heute noch ein 1,7 Kilometer langes Tunnelsystem, das zu Beginn der 50er Jahre entstand und von wo aus während des kalten Krieges Dänemark, aber auch die Nato, den Schiffverkehr durch den Öresund und die jenen der südlichen Ostsee überwachte. Das Tunnelsystem Stevnsfort kann, wie auch eine Freilichtausstellung von Kriegsmaterial, mittlerweile besichtigt werden, da die Anlage im Jahr 2000 eingestellt wurde. Das Tunnelsystem kann nur bei vorgebuchten Führungen besucht werden.
