Helsingør und das Schloss Kronborg im Seeland
Helsingør liegt an der engsten Stelle des Öresunds und kommt daher, von dänischer Seite, Schweden am nächsten, was geschichtlich über mehrere Jahrhunderte hinweg von größter Bedeutung war. Die Stadt verfügt gegenwärtig über knapp 50.000 Einwohner und ist damit die viertgrößte Stadt Seelands, die zudem mit einer Fähre mit dem schwedischen Helsingborg verbunden ist, was dazu führt dass hier sehr viele Tagestouristen zwischen den beiden Ländern transportiert werden.
Helsingør wurde geschichtlich erstmals im Jahr 1231 als Handelsstadt in einem offiziellen Dokument genannt, wurde jedoch erst zur Regierungszeit des Königs Erich von Pommern in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts von größter Bedeutung für Dänemark. Erich von Pommern errichtete gegen 1425 nicht nur die Festung Kronborg, die später zum Schloss ausgebaut wurde, sondern er führte auch den Öresundszoll ein, der bis 1857 der Stadt zu einem bedeutenden Reichturm verhalf, da die Engstelle des Öresunds ihm ermöglichte die gesamte Schifffahrt zu kontrollieren.

Der Handelszoll verhalf Helsingør zu einer wichtigen Handelsstadt Dänemarks, obwohl die Zollabgaben vollständig an den König ging, und damit die Kriege Dänemarks finanzierten. Aber da die Schiffe, auf Grund des Zolls, alle in Helsingør anlegen mussten, führte dies dazu dass dort auch den Proviant für die langen Seereisen erworben wurde.
Der Öresundszoll brachte Helsingør aber auch noch andere Vorteile, denn auf den Schiffen befanden sich nicht nur Seeleute, sondern auch Forscher und Wissensachaftler die wertvolle Verbindungen und neue, internationale Ideen in die Stadt brachten. Als der Zoll abgeschafft wurde, konnte Helsingør daher auch schnell zur Industrialisierung Dänemarks übergehen, insbesondere den Maschinenbau und die mit der Werft verbundene Industrie entwickeln und ausbauen.
Das Schloss Kronborg (Kronborg Slot) wurde 1420 als Festung von Erich von Pommern erbaut um, gemeinsam mit der Festung Kärnan auf schwedischer Seite, den Schiffverkehr im Öresund zu kontrollieren und Zölle von sämtlichen Schiffen zu fordern die nicht in Dänemark registriert waren. Das Schloss wurde zweimal von späteren Herrschern ausgebaut um das heutige Aussehen zu erhalten. Da William Shakespeare die Handlung der Tragödie Hamlet nach Kronborg verlegte, wurde 1816, zum 200. Todestag von Shakespeare, die Tragödie dann erstmals sogar in diesem Schloss aufgeführt.
Der Vorläufer des St.-Olai-Doms in Helsingør erstand zu Beginn des 13. Jahrhunderts und wurde zweimal erweitert um 1560 fertiggestellt zu werden, ausgenommen des heutigen Glockenturms, der 1898 hinzu kam. Von besonderem Interesse ist in der Kirche der 12 Meter hohe Barock-Altar aus dem Jahr 1664 und die Renaissancefresken am Gewölbe des Mittelschiffes der Domkirche. Der St.-Olai Dom diente ursprünglich nur als gewöhnliche Kirche und wurde erst 1961 zur Bischofskirche.
Die Marienkirche (Sankt Mariæ Kirke) und das Liebfrauenkloster (Vor Frue Kloster) in Helsingør wurde von Erich von Pommern dem Karmeliterorden geschenkt und ist das am besten erhaltene mittelalterliche Kloster Dänemarks. Die zugehörige Marienkirche sollte nach der Reformation abgerissen werden, aber da zu jener Zeit sehr viele Ausländer in Helsingør lebten, überließ Friederich II. diese dann der deutsch-niederländischen Versammlung. Später wurde das Kloster ein Krankenhaus und schließlich eine Schule. Besonders beachtenswerk ist in der Kirche die Orgelfassade, die bis zum Jahr 1634 zurückreicht. Während die Kirche kostenlos besucht werden kann, kann das Kloster nun bei offiziellen Führungen besichtigt werden.
Wenn man die Hauptstraße in Helsingør entlang geht, so kann man auch das Rathaus (Helsingør Rådhus) deutlich erkennen, ein Gebäude das teilweise bis zum Jahr 1560 zurückreicht, jedoch erst 1855 ihr heutiges Aussehen erhielt, da man beim Umbau die Sandsteinrossetten und die Mauersteine des ursprünglichen Gebäudes im neugotischen Stil verwendete. Auch wenn man 1855 das alte Rathaus nicht restaurieren konnte, so versuchten die Architekten dennoch weitgehend den ursprünglichen Bauplänen zu folgen.

Das maritime Museum (M/S Museet for Søfart) wurde bereits im Jahr 1914 gegründet und befand sich damals im Schloss Kronborg, wurde dann jedoch 2013 in die still gelegte Werft Helsingørs verlegt, genau genommen in die früheren Trockendocks, liegt also nun in einem unterirdischen Bau nahe des Schlosses Kronborg. Das 7600 Quadratmeter große Museum präsentiert die zivile dänische Seefahrt vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Da die Seefahrt, sowohl die Handelsseefahrt als auch die Fischerei und die Kriegsmarine, eine wichtige Rolle in Dänemark spielte, ist ein Besuch des Seefahrtsmuseums in Helsingør nahezu ein Muss für jeden Besucher der Stadt.
Das Technische Museum (Tekniske Museum) Dänemarks wird von der Stadt Helsingør unterhalten, 1911 vom Industrieverein Kopenhagens gegründet und im Jahr 1965 nach Helsingør verlegt. Zwei der Hallen des Museums sind der Geschichte der Luftfahrt Dänemarks gewidmet, wobei das Amt jedoch auch über unterschiedliche Fahrzeuge, Dampfmaschinen, Werkzeug und Motorräder verfügt, also eine breite Schicht an Besuchern anzieht. Das Technische Museum bietet eine über 100-jährige Entwicklung und Geschichte der Industrie Dänemarks.
In einem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert findet man das Stadtmuseum Helsingørs (Helsingør Bymuseum) und ursprünglich ein Krankenhaus für ausländische Seeleute war. Erst im Jahr 1973 wurde im Gebäude dann das Stadtmuseum eingerichtet, ein Museum, das die gesamte Geschichte der Stadt Helsingør seit 1426 bietet, als Helsingør seine Stadtrechte erhielt. Zwei wichtige Epochen der Stadt werden im Museum besonders hervorgehoben, nämlich die Epoche der Öresundsölle und die Industrialisierung der Stadt
Das Öresund-Aquarium (Øresund-Aquarium) richtet sich insbesondere an Kinder und Jugendliche, die hier mehr über das Leben der Meerestiere im Öresund erfahren wollen. Es handelt sich daher um ein Meeresaquarium mit Haien, Tintenfischen, Hummern und zahlreichen anderen Tieren, die man selbst beim Schnorcheln im Sund nicht alle entdecken wird. Aber die Bestimmung des Aquariums ist nicht nur die Meereswelt des Öresunds zu zeigen, sondern ist auch eine Einrichtung die daran arbeitet die Tier- und die Pflanzenwelt des Öresunds schützen soll und den Meeresschutz im Unterricht zu fördern.
Das Lustschloss Marienlyst (Marienlyst Slot) wurde 1588 als Pavillon erbaut und liegt am Rande der Stadt Helsingør. Christian VII, ließ Marienlyst dann ausbauen, schuf hierbei auch den romantischen Schlosspark und verlieh dem Gebäude den klassizistischen Stil. Bereits 1858 wurde das Schloss dann jedoch in ein Badehotel verwandelt, das mit den Jahren jedoch immer mehr zerfiel und nur, dank der Arbeiten von 1200 Freiwilligen, im Jahr 2012 restauriert werden konnte. Heute ist Marienlyst ein Museum mit Wandmalereien, Skulpturen, Möbel und anderen Kunstgegenständen des 18. Jahrhunderts.

Im Schiffsmaklerhof (Skibsklarerergaarden), einem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, das ab 1780 sein heutiges Aussehen erhielt, findet man seit 1995 das Museum der Arbeit, wobei man hier natürlich auch einen Teil der früheren Einrichtung des Schiffsmaklers findet, wie auch zahlreiche Gegenstände die hier an Seeleute verkauft wurden, also Segeltuch, Seekarten, Tauwerk und vieles mehr. Auch das Wohnzimmer und das Büro des Schiffsmaklers sind im Museum weitgehend erhalten, so dass man hier einen Blick in die Vergangenheit der Stadt mwerfen kann.
Der Bahnhof (Helsingør station) in Helsingør liegt nur wenige Schritte vom Stadtzentrum entfernt und nur eine Straße trennt sie vom ehemaligen Zollamt, das heute ein Kulturzentrum der Stadt ist. Der erste Bahnhof der Stadt öffnete zwar 1863, musste dann jedoch bereits 1891 an die heutige Stelle umziehen. Das Gebäude wurde in Neurenaissance erbaut und ist geradezu das Verkehrszentrum der Stadt, da man von hier aus zu den Fähren nach Schweden kommt, vor dem Haupteingang der Busbahnhof liegt, und auch die Straßenbahn die Straße neben dem Bahnnhof nimmt. Der Bahnhof ist allerdings nicht nur von außen beeindruckend, denn um ihn an dieser Stelle zu bauen, waren 1600 Pfeiler nötig um das Fundament des Gebäudes zu schaffen.
Der Tänzerinenbrunnen (Danserindebrønden) verdankt sein Entstehen dem Kunstmäzen Carl Jacobsen, der auch für die bekannte Seejungfrau in Kopenhagen verantwortlich ist. Bei beiden Skulpturen gehen die Tänzerinnen auf des königlichen Ballett zurück, von dem Jacobsen geradezu begeistert war. Auch beim Tänzerinenbrunnen waren drei der Balleteusen das Modell, nicht nur die eine, und der Brunnen wurde 1913 in Kopenhagen aufgestellt. Nachdem er in Kopenhagen nicht der Erfolg der Seejungfrau teilte, wurde der Brunnen 1933 daher nach Helsingør verlegt, ist aber immer noch in Verbindung zum Ballett zu sehen.
Als die Modeerscheinung von Street Food in Dänemark ankam, wurde die Markthalle (Værftets Madmarked) von Helsingør in einen Treffpunkt mit Street Food verwandelt, eine Stelle mit Gerichten aus der ganzen Welt, die dort vor Ort zubereitet werden, aber wo man sich auch zu verschiedenen Ereignissen trifft. Auf diese Weise wurde die niedergelegte Werft zu einem der modernsten Treffpunkte Helsingørs. Der Unterschied zu den meisten anderen Street Foods in Europa, steht in Dänemark nicht das Essen im Vordergrund, sondern die Gemeinschaft, die Diskussionen und das Genießen der Atmosphäre.
Bei einem Besuch in Helsingør sollte man auch in aller Ruhe durch die kleinen Gassen der Altstadt bummeln und hierbei den mittelalterlichen Charakter der Stadt finden, da man bei diesem Bummel zahlreiche historische Häuschen, enge Gassen und typisch dänische Pflanzungen sehen kann, neben modernen, von der Geschichte inspirierte, Wandmalerein.
